Pflanzerden - kaufen oder selbst mischen?

Wer im Gartenmarkt unterwegs ist, steht meist vor einer riesigen und unübersichtlichen Auswahl an Gartenerden: Blumenerde, Pflanzerde, Aussaaterde, Kräutererde, Kübelpflanzenerde, Rosenerde, Universal-Erde, Balkonerde, mit Torf oder torffrei, mit Kokosfaser oder Holzfaser, Bio, Öko oder vegan. Das braucht man davon wirklich im Hausgarten.

selbst gemischte Erde
Ein gutes Substrat sollte nach frischer Erde oder Pilzen riechen und nicht muffig, schimmelig oder nach Rindenmulch.   © Görlitz/VWE

Ein Großteil der angebotenen Erden basiert immer noch auf Torf. Zwar ist Torf eine fast ideale Grundlage für Substrate, da er eine hohe Wasserspeicherfähigkeit hat und sich je nach Verwendung gut mit Dünger und Kalk anreichern lässt.

Im Garten torffrei

Der große Nachteil: Torfabbau zerstört wichtige Ökosysteme und setzt sehr viel gespeichertes CO² frei. Torf ist im Moor über Jahrtausende gewachsen und viel zu wertvoll, um ein schnelles Ende im Garten zu finden. Dort zersetzt er sich zügig und bewirkt keine dauerhafte Bodenverbesserung.

Beim Kauf von Erde sollte man auf jeden Fall zu torffreien Produkten greifen. Aber Achtung: Nur wenn "torffrei" auf der Verpackung steht, enthält die Erde wirklich keinen Torf. Bei dem Begriff `Bio´ muss es sich bei Gartenerden nicht unbedingt um ein torffreies Produkt handeln! Lest im Zweifel genau die Zutatenliste auf der Rückseite des Erdensacks.

Was stattdessen?

In torffreien Erden kommen zum Beispiel Ersatzstoffe wie Rindenkompost, Grünkompost, Holzfaser, Kokosfaser oder Cocopeat (Kokosfaserstaub) zum Einsatz. Jedoch ist auch hier bei manchen die Ökobilanz, z.B. durch lange Transportwege, kritisch zu sehen. Jedes Produkt hat zudem andere Eigenschaften. Bei den meisten ist die Wasserhaltefähigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Erden mit viel Torf eingeschränkt, so dass ihr öfter gießen müsst. Erden aus Holzprodukten binden Stickstoff stark, hier muss öfter nachgedüngt werden.

Ein gutes Substrat sollte nach frischer Erde oder Pilzen riechen und nicht muffig, schimmelig oder nach Rindenmulch.

Wo brauche ich was?

In allen Gartenbeeten und für alle Pflanzungen im Freien reicht Kompost zur Bodenverbesserung völlig aus. Bringt etwa 3 l pro m² und Jahr im Frühjahr aus und mulcht den Boden zusätzlich mit Rasenschnitt und Laub-/Strauchhäcksel. Bei sandigen Böden empfiehlt sich der Einsatz von Gesteinsmehl. Sehr schwere Böden können mit Sand durchlässiger gemacht werden. Achten Sie beim Kauf von Kompost auf jeden Fall auf das RAL-Gütezeichen!

Für Zimmerpflanzen empfehle ich hochwertige und torffreie Substrate aus dem Handel zu verwenden. Ebenso bei Aussaaterden, da diese gedämpft sind und somit keine Keimlingskrankheiten enthalten.

Eigene Erde so herstellen

3 Komponenten für die selbstgemischte Erde
© Görlitz/VWE

Für Kübelpflanzen im Freien lassen sich die Erden problemlos selbst herstellen. Dazu mischt man 2 Teile reifen, gesiebten Kompost mit 2 Teilen lockerer Gartenerde und einem Teil Sand. Zur Stickstoffversorgung kommen noch Horngries oder Hornschrot (ca. 10 g auf 10 l) dazu. Alternativ eigenen sich zur Düngung auch Schafwollpellets. Zusätzlich könnt ihr auch hier noch Gesteinsmehl untermischen.

Bei der Herstellung eigener Erden kann viel ausprobiert und variiert werden, z.B. lassen sich auch Produkte wie Holzfaser einsetzen. Sollen eigene Erden als Aussaaterden verwendet werden, ist es sinnvoll, diese vorher zu dämpfen

Wenn Sie fertige Substrate verwenden möchten, können Sie in Ihrer Umgebung nach lokalen Erden- oder Kompostwerken schauen.

Tipp: Kreislauf im Garten

Betreibt eine Kreislaufwirtschaft und stellt möglichst vieles im Garten selbst her. So lässt sich Energie und Verpackungsmüll einsparen. Angefangen beim Häckseln und Verwenden von Grünschnitt, über den eigenen Kompost, bis hin zum Herstellen von Pflanzerden.

Sven Görlitz