Ein Plädoyer für das Mulchen So einfach geht Bodenschutz

Wenn Sven Görlitz auf das Thema Mulchen zu sprechen kommt, stößt er immer wieder auf Unverständnis. Der Grund: Für viele Gartenbesitzer*innen ist ein fein geharkter Gartenboden nach wie vor das Ideal eines gepflegten Gartens. Lediglich Rindenmulch tolerieren sie als Bodenbedeckung in ihrem heimischen Grün. Doch der engagierte Gartenberater lässt nicht locker: Es gibt viele Gründe, die für das Mulchen sprechen.

Mulchen von Tomaten
© Görlitz/VWE

Reste von Rasenschnitt und gehäckseltem Strauchschnitt auf den Beeten? Das verletzt das ästhetische Empfinden vieler Menschen. Und so bilden sich an Samstagen im Frühjahr Schlangen vor den kommunalen Kompostierungen, um Rasen- und Strauchschnitt abzuliefern, während anschließend vor den Gartenmärkten die Autos mit Säcken von Rindenmulch vollgeladen werden.

Nichts im Garten ist Abfall

Dabei lässt sich gerade aus frischem, gehäckseltem Strauchschnitt, gemischt mit Rasenschnitt das beste Mulchmaterial für den Garten herstellen - kostenlos, umweltfreundlich, Boden-verbessernd.
"Aber wenn ich Rasenschnitt auf meinen Beeten verteile, kann ich ja gleich Unkraut säen" lautet ein oft geäußertes Gegenargument. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber: das Gegenteil ist der Fall.

Mulchen mit Grasschnitt
© Görlitz/VWE

Mulchen hemmt Keimung von Wildkraut

Wird eine Beetfläche durchgehackt, kommen Samen an die Oberfläche, die seit Jahren im Boden schlummern. Die meisten Wildpflanzen sind Lichtkeimer und durch diesen Reiz erwachen sie zum Leben. Offener Boden ist eine Einladung an die Natur, diesen so schnell wie möglich zu besiedeln. Deshalb gibt es an Naturstandorten, außer in Wüsten, kaum unbedeckten Boden. Entweder es wächst oder es liegt etwas darauf. Ist der Boden jedoch mit Mulchmaterial bedeckt, wird das Aufkeimen von Wildpflanzen gehemmt.

Mulchen hat viele Vorteile

* Mehr Würmer und ein aktiveres Bodenleben
* feuchterer Boden und damit weniger gießen
* dauerhafte Nährstoffzufuhr (und kein Abbau von Stickstoff wie bei Holzmaterialien, z. B. Rindenmulch)
* keine Verschlämmung bei Starkregen
* weniger ungewünschter Aufwuchs von Wildkräutern
* lockerer Gartenboden ohne Umgraben und Hacken

Durch diese Art der Kreislaufwirtschaft im Garten lässt sich Arbeit, Geld und Energie sparen und gleichzeitig erhöht sich der Humusgehalt im Boden. Dass verrottende Pflanzenreste auf der Erde nicht schön anzusehen sind mag sein, aber im Anbetracht der Vorteile ignoriere ich das gerne.

Womit mulchen?

Im eigenen Garten mulche ich die Gemüse- und Staudenflächen mit Rasen- und Strauchschnitt, immer nur dünn aufgebracht und nach 1-2 Wochen erneuert.

Mulchen mit Schafwollvlies
© Görlitz/VWE
Seit ein paar Jahren nutze ich auch Schafwolle als Mulchmaterial. Diese gibt es als Mulchvlies zu kaufen oder man holt sich beim Schäfer alte Restwolle. Der große Vorteil hiervon: Beim Zersetzen der Schafwolle wird Stickstoff freigesetzt und ich muss weniger Horndünger einsetzen. Auch die Schnecken kriechen nicht gern über die Schafwolle.

Von Kunstoff-Mulchvliesen, seien sie abbaubar oder nicht, bin ich abgekommen. Irgendwann werden diese spröde, dann finden sich im ganzen Garten verteilt Vliesfetzen und das ist, abgesehen vom Kunststoffeintrag in den Boden, dann wirklich kein schöner Anblick.

Wann mulchen?

Gemulcht werden kann das ganze Jahr über, lediglich zwischen März und Anfang Mai lasse ich den Boden offen liegen, damit er sich erwärmen kann. Mit zunehmenden Hitzewellen beginne ich allerdings immer früher mit der Bodenbedeckung, um den Boden so vor zu großer Hitze zu schützen.

Nach einem Vortrag kam neulich ein Mitglied zu mir und meinte, dass er jetzt seit einem Jahr seinen Boden mulcht, jetzt könne er sich das Umgraben sparen und sein Boden wäre lockerer und besser denn je. Probieren sie es einfach mal aus, dafür ist ja der Garten da.

Sven Görlitz