Woher kommt mein Saatgut?

In tausenden von Jahren, in denen der Mensch gezielt Pflanzen züchtet, anbaut und vermehrt, sind unzählige Sorten entstanden. Eine gigantische Artenvielfalt, meist speziell an das jeweilige Klima und den Boden angepasst. Allein von der Tomate gibt es weltweit mehrere tausend verschiedene Sorten. Doch diese Vielfalt, die als Kulturgut der Menschheit betrachtet werden muss, ist in Gefahr.

Sämling in der Hand.
Auch als Hobbygärtner kann man einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.   © Pixabay
Nach Schätzungen von Experten sind bereits zwei Drittel dieser Sorten verschwunden. Dies ist die Folge eines veränderten Konsumverhaltens und einer veränderten Landwirtschaft. Diese setzt mehr und mehr auf wenige Hochleistungssorten.

Beim Saatgutkauf stößt man häufig auf die Bezeichnung F1-Hybride. Dies bedeutet, dass diese Sorte durch eine gezielte Kreuzung von Inzuchtlinien mit speziellen Eigenschaften hergestellt wurde. Der Vorteil dieser Hybriden: Die erste Generation aus Hybridsaatgut ergibt sehr ertragreiche und einheitliche Pflanzen, die meist sehr widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten sind. Der Nachteil: Diese Pflanzen lassen sich so nicht weitervermehren, da bei einer Aussaat aus Hybridpflanzen gewonnenem Saatgut völlig unterschiedliche Pflanzen herauskommen. Das Saatgut muss also jedes Jahr neu gekauft werden.

Dazu kommt die Entwicklung auf dem Saatgutmarkt: Viele Saatgutproduzenten wurden in den vergangenen Jahren von internationalen Agro-Chemiefirmen aufgekauft, der ursprüngliche Handelsname blieb aber bestehen. Für den Kunden ist es so kaum noch nachvollziehbar, welche Firma hinter dem Saatgut steht. So teilen inzwischen die zehn größten Konzerne über 70% des weltweiten Saatgutmarktes unter sich auf - Tendenz steigend. Die Folge dieser Entwicklung: Viele regionale, weitervermehrbare Sorten verschwinden zugunsten weniger Einheitssorten, bei denen man zum Nachkaufen (und letztendlich auch zum Konsum) gezwungen ist.

Dies ist eine Entwicklung, die inzwischen nicht nur viele Gärtner und Landwirte kritisch sehen. Immer mehr Gastronomen und Hobbyköche interessieren sich für herkömmliche und lokale Sorten. Diese sind vielleicht nicht so ertragreich und massentauglich wie Hybridsorten, dafür bestechen sie durch einen einzigartigen Geschmack, sind an lokales Klima gewöhnt und anpassungsfähiger bei Veränderungen. Außerdem kann man solch ein Saatgut selbst weiter vermehren.

Was kann der Hobbygärtner tun?


Sven Görlitz