"Problem-Unkräuter"

Diese "Problem-Unkräuter" haben im Garten nichts zu suchen, findet Gartenberaterin Roswitha Koch. Und sie verrät, wie ihr umweltschonend gegen sie vorgehen könnt.

Ackerwinde
Wurzelunkräuter wie die Ackerwinde bereiten im Garten viel Mühe. Sie besitzen oft weit reichende, zum Teil tiefe Wurzeln, die regelrecht Netze im Boden bilden können.   © pixabay

Obwohl es Unkraut an sich nicht gibt, man nennt es heute zutreffender "Wildkraut am falschen Platz", bereiten uns manche dieser Pflanzen gehörig Stress im Beet. Seit ich ungefähr eine Stunde für das Säubern von einem Quadratmeter mit reichlich Queckenwurzeln durchsetzter Gartenfläche brauche, denke ich gelegentlich an Unkrautvernichtung durch das Totalherbizid Round Up. Dies einzusetzen verbietet sich aber, weil ich aus Überzeugung keine Herbizide gebrauche. So bleibt nur das schweißtreibende Geschäft des akribischen Herauslesens jeder einzelnen Wurzel. Wer Quecke, Giersch oder Schachtelhalm im Garten hat, weiß, wovon ich rede. Von diesen "Schätzchen" habe ich auch genug mit einem etwas verwahrlosten Garten übernommen.

Unkraut - Wildkraut - Gemüse - Arznei?

Pflanzen, die wir als Unkraut bezeichnen, haben jedoch durchaus ihre Existenzberechtigung. So manche Tierart ernährt sich davon. Außerdem bedecken sie den Boden, schränken damit die Bodenverdunstung ein und verhindern das Auswaschen von Nährstoffen in tiefere Bodenschichten, indem sie diese gewissermaßen in ihren Pflanzenkörpern parken. Wenn sie schließlich abgestorben sind, wird aus ihrer Biomasse im Kreislauf der Natur wieder Nahrung für kommende Pflanzengenerationen.

Zugleich verbessern auch diese Pflanzen mit ihrer Verdunstung das Kleinklima im Garten, binden Feinstaub und Kohlendioxid aus der Luft und sie produzieren Sauerstoff.

Brennnessel mit Ampfer
Wurzelunkraut Brennnessel mit Ampfer   © pixabay
Aus manchen Wildkrautarten, wie etwa Schachtelhalm oder Brennnessel, kann man Pflanzenjauchen herstellen, die die Kulturpflanzen durch ihre Düngewirkung stärken und zudem Schädlinge fernhalten.

Und schließlich ist Giersch wie auch Brennnessel - in Salaten und Suppen lecker angerichtet - ein Wildgemüse der besonders gesunden Art. Kletten- und Brennnesselwurzeln beispielsweise unterstützen das Haarwachstum, Queckenwurzeln sind hilfreich bei Blasen- und Nierenbeschwerden. Diese Liste lässt sich verlängern, denn jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten.

Was tun?

Acker-Kratzdistel
Wurzel- und Samenunkraut Acker-Kratzdistel   © pixabay
Unkräuter lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Samenunkräuter und Wurzelunkräuter. Samenunkräuter sind im Garten relativ leicht zu regulieren, daher würde ich sie nicht unbedingt als Problem bezeichnen. Werden sie rechtzeitig (unbedingt vor ihrer Samenreife) gehackt oder gezogen und auf dem Gartenboden zum Vertrocknen abgelegt, begünstigen sie sogar das Wachstum unserer Kulturpflanzen. Egal, ob unter Hecken, auf Beeten oder Wegen - sie sind nützlich als Mulchschicht und werden später wieder zu Dünger. Problematisch ist eher die oft Jahrzehnte währende Keimfähigkeit ihrer Samen.

Dagegen bereitet die Gruppe der Wurzelunkräuter im Garten viel Mühe. Diese besitzen oft weit reichende, zum Teil tiefe Wurzeln, die regelrecht Netze im Boden bilden können. Die meist weiß gefärbten, fleischigen Wurzeln beinhalten Zucker und Stärke, was den Pflanzen zu immer wieder neuem Austrieb verhilft. Und wenn die Blätter erst einmal ans Licht gekommen sind, erzeugen sie durch Fotosynthese neue Stärke, die dann wiederum in ihren Wurzeln gespeichert wird. Für Gartenfreund*innen ein schwer zu durchbrechender Kreislauf!

Darum muss das kleinste Stück Speicherwurzel aus dem Boden geholt werden. Nur auf diesem Weg rottet man Wurzelunkräuter umweltschonend aus. Die Wurzeln dürfen erst dann auf den Komposthaufen, wenn sie vollständig vertrocknet sind. Sicherer ist es, sie über die Mülltonne vom Grundstück zu entfernen.

Niemals sollten mit Wurzelunkräutern durchsetzte Böden mit einer Fräse bearbeitet werden, denn durch das Zer- und Verteilen ihrer Speicherwurzeln wird so deren aktive Vermehrung betrieben. Die besten Werkzeuge zum Freilegen und Entfernen der Wurzeln sind nach meiner Meinung Grabegabel, Zweizack und handgeführte Unkrautgabel bzw. Handkralle.

Wichtig ist auch, nicht aufzugeben. Denn trotz größter Sorgfalt beim Jäten wird immer mal wieder eine ungewollte Pflanze auftauchen, die konsequent samt (erreichbarer) Wurzel entfernt werden muss.

Kleine Übersicht: die bekanntesten Vertreter der problematischen Wurzelunkräuter

  • Acker-Kratzdistel

  • Acker-Schachtelhalm

  • Ackerwinde

  • Giersch

  • Rauer Ampfer

  • Quecke

Roswitha Koch

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