Aus alt mach neuSiedlergarten 2.0

Wer ein altes Haus kauft oder erbt, hat viel zu tun: Ist das Haus schließlich wunschgerecht umgebaut, ist der Garten an der Reihe. Ganz gleich, ob das häusliche Grün von den Vorbesitzern innig gehegt oder vernachlässigt wurde: Jetzt können sie es zu Ihrer eigenen Oase machen. Doch wo beginnen? Alles roden und neu machen? Praktische Tipps zum Wiederbeleben von älteren Gärten von unserem Gartenberater Hans-Willi Heitzer.

Weg durchs Staudenbeet
Wer einen übernommenen Garten besonders stimmig gestalten möchte, sollte sich Zeit nehmen und den Genius loci aufspüren.   © Görlitz/Verband Wohneigentum e.V.
In der Architektur und Freiraumplanung spielt bei der Planung der "Genius loci", der Geist des Ortes, eine wichtige Rolle. Ortstypische Baumaterialien, das Klima, die Pflanzen und die kulturhistorischen menschlichen Einflüsse prägen diesen Geist. Nehmen sich die Zeit und spüren ihn auf!
Nur wer den Genius loci erkennt und einen stimmigen Bezug zwischen der Bebauung, dem Garten und seiner Umgebung herstellt, wird wirklich berührende, atmosphärische Gartenräume gestalten können.

Garten, wer bist Du?

Die Bestandsanalyse ist kein esoterischer Firlefanz, sondern die Basis eines Entwurfes. Hier werden alle vorhandenen baulichen und pflanzlichen Elemente maßstabsgerecht in einen Grundrissplan eingezeichnet. Bei den üblichen Gartengrößen reicht ein Maßstab von 1:50 bzw. 1:100 meist aus. Alte und marode Bäume sollten auch erfasst werden. Doch Vorsicht: Leider werden viele alte Bäume vorschnell gefällt. Seien Sie wagemutig! Bepflanzt mit einer üppig rankenden Ramblerrose ist ein greiser Apfelbaum nicht nur Lebensraum für verschiedene Vogel- und Insektenarten, sondern auch ein dekoratives raumbildendes Gestaltungselement im Garten.

Träumen Sie Ihren Garten!

Träumen ist im nächsten Planungsschritt erwünscht. Wie möchten Sie den Garten nutzen? Wo gibt es einen Sonnenschutz in der Mittagshitze? Gibt es einen Platz, an dem Sie die Abendsonne genießen können? Großartige Ausblicke, aber auch unliebsame Einblicke in den Garten sollten sie in dem Bestandsplan erfassen.

Siedlergarten 2.0

Etwas exotisch wirkt beispielsweise die Neuinterpretation des Siedlungshauses einer jungen Familie, deren Garten wir im Jahr 2017 neu gestalteten. Im vernachlässigten Hauptgarten standen noch zwei alte Obstbäume und Reste des ehemaligen Gemüsebeetes.

Der neue Rasterentwurf des alten Gartens ist geprägt von einer Baumgruppe, die eine Sichtachse bildet. Sie führt von der erhöhten Holzterrasse auf einen roten Holunderstrauch, der in einem großzügigen Heckentheater neben unzähligen Insektennährstauden gepflanzt wurde. In der Nähe blüht im Frühling eine japanische Kirsche mit den 6 Felsenbirnen um die Wette. Die auffällige Kirsche gliedert den Bereich in zwei Räume: auf der einen Seite liegt das Insektenbeet und auf der anderen Seite der Spielbereich. Im Vorgarten begrüßen 3 chinesische Wildbirnen die Besucher. Unterpflanzt sind sie mit Stauden und Gräsern.

Der Garten ist ein gutes Beispiel für viele alte Siedlergärten. Die Obstbäume sind alle vergreist und leider wurden sie nicht zeitig ersetzt. Wir haben sie stehen gelassen, da abgängige Bäume eine Heimat für Käfer und andere Insekten bieten. Später hat sie eine stark rankende Ramblerrose in Beschlag genommen.

Hans-Willi Heitzer