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Gründüngung – Hinweise zu Anbau und Verarbeitung

Mischkultur
Blühende Gründüngungspflanzen im Gemüsegarten

Gründüngung
Gründüngung aus Boretsch, Ringelblumen, Sonnenblumen, Kornblumen und anderen Kräutern.

Grundsätzlich spricht man von Gründüngung, wenn Pflanzen speziell zu Düngezwecken angebaut werden. Allerdings sollte man gedanklich den Begriff Gründüngung nicht nur auf diese speziellen Pflanzen begrenzen. Viele hinfällige Wechselflorpflanzen oder nicht mehr verwertbare Gemüsepflanzen lassen sich wie Gründüngungspflanzen nutzen. Auch Ernterückstände erfüllen den gleichen Zweck.

Hinweise zum Anbau von Gründüngung

  • Die Aussaat einer Gründüngung ist je nach Pflanzenart und Klimabereich von Ende Februar bis Anfang Oktober möglich. Der letzte Aussaat-Termin ist abhängig davon, ob sich die Pflanzen bis zum Frost noch ausreichend entwickeln können (Grün- und Wurzelmasse; Bodenbedeckungsgrad).
  • Nicht winterharte Gründüngungspflanzen erfrieren beim ersten Frost und bilden eine schützende Mulchschicht für den Boden.
  • Der Anbau von Gründüngung sollte immer sofort dann erfolgen, wenn klar ist, dass auf einer Fläche keine Nachkultur mehr angebaut werden soll. Das verhindert den Unkrautbewuchs und schützt die Bodenkrume vor Witterungseinflüssen und Erosion.
  • Es ist sinnvoll, Mischungen aus flach- und tiefwurzelnden Gründüngungspflanzen anzubauen.
  • Immer darauf achten, dass die empfohlenen Saatgutmengen / m² eingehalten werden. Wird zu dicht gesät, entwickeln sich die Pflanzen nicht richtig. Einzelne Arten können unter Umständen ganz unterdrückt werden.
  • Sollen sich die Gründüngungspflanzen nicht selbst aussäen, müssen die Pflanzen rechtzeitig nach der Blüte abgemäht werden.
  • Tagetes sind wahre „Nematoden-Killer“. Doch die Wirkung ist abhängig von der Kulturdauer. Je länger sie auf einer Fläche wachsen, desto größer der Erfolg.
  • Gemüsearten wie Spinat oder Feldsalat lassen sich auch als Gründüngung nutzen.
  • Beim Anbau immer die Grundsätze des Fruchtwechsels in der Kulturfolge einhalten. Also niemals Pflanzen der gleichen Pflanzenfamilien in engem Abstand hintereinander anbauen!

Hinweise zur Sorten- bzw. Artenwahl

Im Handel werden zahlreiche Gründüngungspflanzen als Reinsaaten und auch als Mischungen angeboten. Für die Auswahl der Gründüngungspflanzen-Art bzw. Mischung ist entscheidend, welche speziellen Ziele man mit dem Anbau verfolgt.

  • Schutz gegen Bodenerosion: Um den Boden über Winter vor Erosion zu schützen, bieten sich winterfeste Arten an. Sie wachsen trotz Kälte und Feuchtigkeit weiter und halten den Boden mit ihren Wurzeln fest. (Wintergetreide, Winterwicken, Serradella, Esparsette usw.)
  • Stickstoff-Düngung: Zur Anreicherung des Gartenbodens mit Stickstoff werden Gründüngungspflanzen aus der Familie der Leguminosen angebaut. Damit im Winterhalbjahr kein Stickstoff (Nitrat) freigesetzt und ausgewaschen wird, erfolgt die Einarbeitung dieser Pflanzen erst im Frühjahr. Vor Salat, Spinat und Roter Bete keine Leguminosen anbauen! Diese Gemüse können aufgrund der Düngewirkung der Gründüngung Nitrat einlagern.
  • Bodenlockerung: Besonders bei Gartenneuanlagen sind Gründüngungspflanzen zu empfehlen, die viel Wurzelmasse bilden und tiefwurzelnd sind. (Sonnenblumen, Ölrettich, Lupine, Einjähriges oder Welsches Weidelgras, Roggen usw.)
  • Nützlingsförderung: Blühende Gründüngungspflanzen locken neben Bienen auch andere nützliche Insekten in den Garten. Diese bestäuben Blüten und halten Schadinsekten in Schach. Pflanzenarten mit offenen Blüten sind gegenüber gefüllt blühenden zu bevorzugen. Doldenblütler (Apiaceae) werden besonders gern von Schweb- und Florfliegen besucht. Aber auch Wicken, Sonnenblumen, Tagetes, Mohn, Calendula (Ringelblume), Phacelia (Bienenfreund, Büschelschön), Klee-Arten usw. eignen sich sehr gut.
  • Pflanzenschutz: Beim Anbau von Gründüngung ist darauf zu achten, dass der Grundsatz des Fruchtwechsels in der Fruchtfolge eingehalten wird. Die Gründüngungspflanzen dürfen niemals zur Pflanzenfamilie der angebauten Kulturpflanzen gehören. Dabei ist unerheblich ob sie als Vor- oder Folgekultur angebaut werden. So hätte z.B. der Anbau von Senf, Raps oder Ölrettich in enger Folge mit kreuzblütigen Gemüsen (Crucíferae), wie Kresse, Rettich, Radieschen oder Kohlarten, eine Ausbreitung des Kohlhernie-Erregers zur Folge. Positiv wirkt sich der Anbau der Gründüngungspflanzen in Mischkultur mit Nutzpflanzen aus. So können z.B. Tagetes oder Ringelblumen direkt in die Gemüsereihen gesät oder gepflanzt werden. Außerdem locken blühende Gründüngungspflanzen Schwebfliegen und Florfliegen in die Gemüsekulturen. Die dann dort ihre Eier in die Blattlaus-Kolonien ablegen.
  • Gründüngungsmischungen: Der Anbau von Gründüngungspflanzen-Mischungen ist den Reinsaaten vorzuziehen. Mischungen sorgen für eine gute Durchwurzelung des Bodens und reichern ihn mit viel organischer Masse an. Bodenunterschiede sind aufgrund des Wuchsverhaltens der einzelnen Arten leichter erkennbar. Außerdem sorgen sie für die Rückgewinnung der in tiefere Bodenschichten ausgewaschenen Nährstoffe. Im Handel werden bereits fertige Mischungen für die unterschiedlichsten Zwecke angeboten. Beim Herstellen eigener Mischungen müssen die Aussaatzeiten der Arten und die Pflanzenfamilien (Fruchtfolge!) berücksichtigt werden. Bekannte Mischungen sind:
    Landsberger Gemenge: je zu 1/3 Welsches Weidelgras, Inkarnatklee und Winterwicken
    Wickroggen: Winterwicken und Roggen
    Rothenburger Gemenge: Futtererbsen, Lupinen, Wicken
    Korbblütler-Mischungen: Je nach Saatgut-Firma haben sie spezielle Bezeichnungen, wie Boden-Kur, Boden-Doktor oder Boden-Therapie. Diese Mischungen haben einen hohen Tagetes und Ringelblumen-Anteil. Oft sind in diesen Saatgut-Mischungen auch Gaillardien, Rudbeckien, Sonnenblumen und Kräuter enthalten.

Hinweise zur Verarbeitung der Gründüngung

Die Art der Verarbeitung ist abhängig von den nachfolgenden Kulturen bzw. der Folgenutzung der Fläche.

  • Verarbeitung als Düngung: Die Gründüngungspflanzen werden vor der Samenausbildung abgemäht. Anschließend in frischem oder angetrocknetem Zustand in die obere Bodenkrume eingearbeitet.
  • Verarbeitung als Bodenschutz im Sommer: Die Gründüngungspflanzen werden vor der Samenausbildung abgemäht und bleiben als Mulchdecke liegen. Diese Mulchschicht schützt den Boden vor dem sommerlichen Austrocknen und fördert die Bodengare. Die krümelige Struktur des Bodens bleibt auf diese Weise erhalten.
  • Verarbeitung als Bodenschutz im Winter: Dazu lässt man einjährige Gründüngungspflanzen über Winter abfrieren und arbeitet diese Mulchschicht im Frühjahr in die obere Bodenkrume ein. Auch einjährige Sommerblumen (Wechselflor), die nicht zum Verholzen neigen, eignen sich sehr gut für diesen Zweck. Bei der winterharten Gründüngung werden die Pflanzen im Frühjahr abgemäht und anschließend in frischem oder angetrocknetem Zustand in die obere Bodenkrume eingearbeitet. Winterharte Arten wachsen trotz Kälte und Feuchtigkeit weiter. Sie bedecken den Boden mit ihrem Blattwerk und halten ihn mit ihren Wurzeln fest. Diese Maßnahme ist ein guter Schutz gegen Verschlämmung und Erosion des Bodens.
  • Verarbeitung als Mulchmaterial: Gründüngung kann auch zur direkten Gewinnung von Mulchmaterial angebaut werden. Dazu werden die Gründüngungsflächen, je nach angebauter Pflanzenart, ein- oder mehrmals gemäht. Die Pflanzen dürfen aber noch keine Samen angesetzt haben! Das Mähgut wird frisch oder in angetrocknetem Zustand als Mulchschicht in andere Kulturen eingebracht. Das ist besonders dann interessant, wenn leicht verrottbare Materialien zum Mulchen benötigt werden (z.B. in Gemüsekulturen). Als Mulchmaterial lässt sich auch überschüssiger oder „geschossener“ Spinat verwenden. Dieser kann auch von vornherein in größerer Menge speziell für Mulchzwecke ausgesät werden.
  • Verarbeitung als Untersaat: In Dauerkulturen oder Gehölzen können Gründüngungspflanzen als Untersaat ausgesät werden. Diese mäht bzw. hackt man bei entsprechender Größe ab. Man lässt sie als Mulch liegen oder arbeitet sie leicht in den Boden ein.
  • Verarbeitung als Zwischensaat: Als Zwischensaat füllen Gründüngungspflanzen die Flächen zwischen den Kulturreihen oder übernehmen die Funktion eines Platzhalters für nachfolgende Kulturen. Schnell zur Blüte kommende Arten locken außerdem Nützlinge in nichtblühende Kulturen. Bei entsprechender Größe werden die Pflanzen abgemäht oder abgehackt. Sie bleiben als Mulch in den Kulturen liegen oder werden in die obere Bodenkrume eingearbeitet.

Hinweis: Manche Gründüngungspflanzen neigen bei langer Kulturzeit zum Verholzen. Dadurch verrotten sie zwar langsamer, bilden aber auf diese Weise längerfristig wirksame Humusstoffe. Hier liegt die positive Wirkung weniger im Dünge-Effekt, als vielmehr in der Verbesserung der Bodenstruktur.


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