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Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)

Steckbrief und Informationen zur Bekämpfung

Heracleum Bluetenstand
Herkulesstaude in Blüte

Heracleum Samenstand
Samenstand der Herkulesstaude. Pflanze zeigt bereits die natürliche Absterbe-Erscheinung.

Grafische Darstellung des Wurzelstocks. Die gestrichelte Linie zeigt, an welcher Stelle der Vegetationskegel von der Pflanze getrennt werden sollte.

Die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt, breitet sich in den letzten Jahrzehnten rapide aus. Sie wurde im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus nach Europa eingeführt. Wegen ihres imposanten Erscheinungsbildes und des überaus attraktiven Blütenstandes, fand sie als Zierpflanze in den Gärten Verwendung. Imker bauten den Riesenbärenklau auch als Bienennährpflanze an. Die Giftigkeit des Pflanzensaftes wurde erst Mitte des letzten Jahrhunderts ernsthaft wahrgenommen. Bis dahin gab es sogar Bastelanleitungen, bei denen die dicken hohlen Blütenstängel, in getrocknetem Zustand, Verwendung fanden.

Die Verschleppung in die Natur erfolgte über wilde Komposthaufen, direkte Aussaaten und Erdverfrachtungen. Die Ausbreitung wird durch zunehmende Brachflächen, Industriebrachen, Straßenrandstreifen oder sonstige nicht genutzte Flächen indirekt gefördert. Die Verschleppung der Samen erfolgt durch das Wasser der Bach- und Flussläufe und die Verwirbelung des Fahrtwindes an Straßen und Bahntrassen.

Steckbrief

  • Heimat: Kaukasus
  • Botanischer Name: Heracleum mantegazzianum
  • Familie: Apiaceae
  • Lebensform: zweijährig, wenn Pflanzen nicht zur Hauptblüte kommen mehrjährig;
  • Wuchs: weitausladende fiederschnittige Blätter; Blätter und Stängel behaart; Höhe des Blütenschaftes bis 4m; Durchmesser der mittleren Blütendolde bis ca. 40cm; Durchmesser des gesamten Blütenstandes (incl. Seitendolden) bis 1,5m; Blätter und Blütenstand entspringen rübenartiger Speicherwurzel mit ausgeprägtem Vegetationskegel, aus dem auch Seitentriebe entspringen können;
  • Vermehrung: ausschließlich über Samen; ausgewachsene Pflanze bildet bis zu 50.000 Samen; diese sind schwimmfähig; Keimfähigkeit unter optimalen Bedingung zwischen 8 bis 10 Jahre;
  • Standort und Boden: gedeiht an fast allen Standorten und auf fast allen Böden;
  • Ausbreitung: indirekte Förderung durch zunehmende Brachflächen, Industriebrachen, Straßenrandstreifen, Uferrandstreifen oder sonstige nicht genutzte Flächen;
  • Verbreitungswege: Gewässer mit Überschwemmungsbereichen; Fahrtwind an Straßen und Bahntrassen; Erdbewegungen; Gartenbesitzer, die ihre Gartenabfälle in die Natur kippen (wilde Komposthaufen);

Ökologische Schäden

Die Pflanze hat in unseren Breiten keine natürlichen Feinde. Sie verdrängt die heimische Flora und Fauna. Dabei werden oft ganze Ökosysteme zerstört. Besonders gravierend sind die Erosionsschäden an fließenden Gewässern, da ufer- und böschungsfestigende Pflanzen verdrängt werden.

Gesundheitsgefahren und Schutzmaßnahmen

  • Photosensibilisierende Substanzen (Furocumarine; auch als Furanocumarine bezeichnet) sind im Saft aller Pflanzenteile enthalten.
  • Bei Hautkontakt in Verbindung mit UV-Strahlung (Sonnenlicht) kommt es meistens zu verbrennungsähnlichen Schäden der Haut, teilweise auch Blasenbildung.
  • Die größte Gefahr für das Auftreten der Symptome besteht etwa ½ bis 2 Stunden nach dem Hautkontakt bei Einwirkung von Sonnenlicht.
  • Zum Schutz auf vollständige Bekleidung achten.
  • Handschuhe und Schutzbrille mit Seitenschutz tragen.
  • Das Arbeiten sollte bei bedecktem Himmel erfolgen – geringere UV-Strahlung.
  • Niemals Freischneider einsetzen – Spritzgefahr!
  • Wenn doch Hautkontakt, dann betroffene Stelle sofort mit Wasser und Seife waschen. Notfalls einen Arzt aufsuchen.
  • Die betroffenen Hautstellen mindestens 48 Stunden keiner UV-Strahlung aussetzen und für mehrere Monate mit Sonnencreme schützen. Dabei auf einen hohen Lichtschutzfaktor achten!

Bekämpfungsmaßnahmen

  • Entfernen der Blütenstände

Das Entfernen der Blüten ist sinnvoll, wenn aus zeitlichen Gründen die Vegetationskegel nicht abgetrennt werden konnten oder ein Herbizideinsatz nicht möglich ist. Diese Bestände müssen aber regelmäßig alle 2 bis 3 Wochen kontrolliert werden, da die Pflanzen oft eine „Notblüte“ ansetzen. Herkulesstauden, die nicht zur Blüte kommen, setzen im nächsten Jahr erneut Blüten an!

Hinweis: Diese Maßnahme ist mit einem höheren gesundheitlichen Risiko verbunden, da die Pflanzen zu dieser Zeit bereits eine beachtliche Größe erreicht haben. Somit ist eine größere Gefahr des Hautkontaktes gegeben.

  • Entfernen der Samenstände

Die Samenstände müssen vor der Samenreife entfernt werden. Das sollte geschehen, sobald die Hauptdolde verblüht ist und bereits Samen angesetzt hat. Die Samenstände dürfen auf keinen Fall vollreif sein, weil sonst Samen ausfallen können. Sie müssen auf jeden Fall verbrannt oder dem Restmüll zugeführt werden. Samenstände niemals auf der Fläche lagern, da die Samen sehr schnell ausfallen. Noch nicht reife Samenstände reifen nach (Notreife)! Pflanzen, die den Zustand des Samenansatzes erreicht haben, sterben von alleine ab.

Hinweis: Auch diese Maßnahme ist mit einem höheren gesundheitlichen Risiko verbunden, da die Pflanzen zu dieser Zeit bereits eine beachtliche Größe erreicht haben. Somit ist eine größere Gefahr des Hautkontaktes gegeben.
Tipp: Eine Baumsäge mit langem Stiel vermindert die Kontaktgefahr!

  • Aus- bzw. Abstechen der Pflanzen

Die Wurzel der Herkulesstaude hat im obersten Bereich einen sogenannten Vegetationskegel aus dem die Blätter und der Blütenstand austreiben. Der Rest ist reines Speichergewebe. Wird dieser „Austriebspunkt“ mit einem scharfen Spaten in einer Tiefe von ca. 15 bis 20cm von der Wurzel getrennt, verrottet der restliche Wurzelbereich. Die abgestochenen Vegetationskegel sind zu entsorgen. Diese sehr effektive Bekämpfungsmethode eignet sich besonders für Einzelpflanzen und kleinere Bestände. Sie ist ganzjährig durchführbar.

Hinweis: Aber Vorsicht ist geboten, ab einer bestimmten Pflanzengröße erhöht sich die Gefahr des Hautkontaktes.

  • Fräsen

Das Fräsen hat sich durchaus als wirkungsvoll erwiesen, wenn der Bestand noch nicht zu hoch ist Es sollte gewährleistet sein, dass die Fräsmesser in bis zu 15cm Tiefe greifen. Die Behandlung muss aber wiederholt werden, sobald neue Sämling aufgelaufen sind.

  • Herbizideinsatz

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist gesetzlich geregelt. So dürfen außerhalb des Haus- und Kleingartens nur Personen mit Pflanzenschutzsachkunde die Pflanzenschutzmittel anwenden. Das bedeutet, dass der Herbizideinsatz im Siedlungsbereich, außerhalb des Gartengrundstücks, nur von einer Person mit entsprechender Sachkunde durchgeführt werden darf.
Beim Riesenbärenklau werden zur Bekämpfung Unkrautvernichter (Herbizide) eingesetzt, die eine systemische Wirkung besitzen. Diese Mittel werden nur über das Blatt aufgenommen und dringen bis in die Wurzel vor. Dadurch stirbt die Pflanze ab. Derzeit sind zwei Wirkstoffe im Einsatz: Triclopyr und Glyphosat.

Triclopyr: Ein Wirkstoff, der selektiv nur zweikeimblättrige Pflanzen erfasst. Gräser bleiben verschont. Das ist besonders an den Standorten wichtig, an denen eine geschlossene Grasnarbe benötigt wird. Er kann somit auf Wiesen, in Rasenflächen oder an Böschungen eingesetzt werden. Die LWK NRW empfiehlt bei Sämlingen und einjährigen Pflanzen eine Konzentration von 0,5%. Die Bekämpfung mehrjähriger Pflanzen sollte mit einer Konzentration von 1% erfolgen. Der Einsatz sollte immer dann erfolgen, wenn genügend Blattmasse vorhanden ist. Dabei wird von einer Pflanzenhöhe von 0,5 bis 1m ausgegangen. Sollten die Pflanzen bereits zu hoch sein, können diese abgemäht und der Neuaustrieb behandelt werden.

Hinweis: Nicht kurz vor Blüte mähen, da die Pflanzen dann in erster Linie eine Notblüte hervorbringen und keine ausreichende Blattmasse für die Herbizidbehandlung.

Glyphosat: Glyphosat wirkt gegen ein- und zweikeimblättrige Pflanzen. Dieser Wirkstoff kann gezielt gegen ältere Herkulesstauden eingesetzt werden. Bei genügender Blattmasse vom Frühjahr bis kurz vor der Blüte. Wenn die Pflanzen für eine chemische Behandlung bereits zu hoch sind, kann durch das Einschieben einer Mahd das Zeitfenster für die Behandlung verlängert werden. Wichtig ist bei der Anwendung des Herbizids, dass mindestens die Hälfte der vorhandenen Blätter einer Pflanze benetzt wird. Die LWK NRW empfiehlt eine Konzentration zwischen 3% und 5%.

Hinweis: Eine Abdrift auf umstehende Pflanzen ist unbedingt zu vermeiden. Ein Spritzschirm leistet hier gute Dienste. Um Amphibien zu schützen sollten die Glyphosat-Präparate keine Tallowamine enthalten. Eventuell dazu den Hersteller befragen!

  • Mähen

Nur das Abmähen der Herkulesstaude allein, hat sich als Bekämpfungsmaßnahme nicht bewährt. Diese Maßnahme führt nicht zum Absterben der Pflanzen. Vielmehr kommt es bei mehrmaligem Mähen durchaus zum Blütenansatz (Notblüte), der aufgrund seiner Unscheinbarkeit leicht übersehen wird. Wenn die Herkulesstaude nicht zur Blüte gelangt, wird sie im Jahr darauf erneut Blütenstände bilden. Sie stirbt erst dann von alleine ab, wenn sie die Hauptblüte erreicht hat.

Bekämpfungsmaßnahmen im Überblick

  • Frühjahr bis etwa Mitte Mai: Ausgraben der Pflanzen (abstechen der Vegetationskegel). Geringes Kontaktrisiko, da die Pflanzen noch relativ klein sind.
  • Ende April bis Ende Mai: Chemische Bekämpfung, auch ohne vorheriges Mähen. Die Stauden sind dann in der Regel nur ca. 1m hoch.
  • Ende Mai bis Ende Juni: Mähen und ausstechen der Vegetationskegel. Oder nach Neuaustrieb chemische Behandlung. Hinweis: Pflanzen kurz vor der Blüte bilden beim Neuaustrieb kaum genügend Blätter für eine chemische Behandlung!
  • Juli: Ab Mitte bis Ende Juli hat die Hauptdolde bereits Samen angesetzt. Beste Zeit die Samenstände zu entfernen. Allerdings besteht ein hohes Kontaktrisiko mit dem Pflanzensaft.
  • Herbst: Nach dem Zusammenbrechen der Altstauden, diesjährige Sämlinge und neuauflaufende Keimlinge entfernen. So kann eine gute Ausgangsposition für das Frühjahr geschaffen werden.

Fazit: Entgegen der allgemeinen Auffassung ist die Herkulesstaude durchaus bekämpfbar. Der Einsatz der passenden Maßnahme zur richtigen Zeit macht eine erfolgreiche Bekämpfung möglich. Allerdings ist der Erfolg nicht kurzfristig zu erreichen. Standorte, die vermeintlich frei sind, müssen auch noch Jahre danach Kontrolliert werden. Das setzt eine entsprechende Kartierung der Standorte voraus.


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